Woran wir arbeiten
Die Forschung in TRANSFORMPATHS ist in sieben Arbeitspakete gegliedert. Sie bilden den organisatorischen sowie methodischen Rahmen und tragen zu den fünf Transformationsbereichen bei, welche die zentralen Themenfelder des Projekts beschreiben.
Transformationsbereiche
Vier Arbeitspakete fokussieren die Transformationsbereiche Mobilitätssysteme und Betrieb, integrierte Mobilitätsplanung und räumliche Entwicklung, Mobilitätstechnologien sowie Governance.
Die Ergebnisse dieser Forschung führen drei weitere Arbeitspakete Szenario, Reallabor sowie Wissenschaftskommunikation zusammen und entwickeln, erproben und evaluieren Zukunftsszenarien, Transformationspfade sowie Erkenntnisse in unterschiedlichen Formaten. Zusätzlich unterstützen sie den Austausch mit Praxis und Bevölkerung und tragen so insgesamt zum fünften Transformationsbereich Leitbildprozess, Ko-Kreation und Kommunikation bei.
Gemeinsam schaffen die Arbeitspakete die Grundlage, um Wechselwirkungen zwischen Mobilität, Raum, Technologie, Governance und gesellschaftlichen Perspektiven zu untersuchen und wissenschaftlich fundierte Transformationspfade für die Region Großraum Braunschweig zu entwickeln.
Mobilitätssysteme und Betrieb
Ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Daseinsvorsorge und nachhaltige Mobilität. Insbesondere in ländlichen Räumen unterliegen bestehende Angebote aktuellen Herausforderungen: Räumlich verteilte und geringe Nachfrage, hohe Betriebskosten sowie sich verändernde Mobilitätsbedürfnisse erschweren die Bereitstellung attraktiver und zugleich wirtschaftlich tragfähiger Angebote.
Vor diesem Hintergrund untersucht TRANSFORMPATHS, wie sich Verkehrssysteme im Stadt-Land-Kontext langfristig weiterentwickeln können. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie bestehende Linienverkehre und bedarfsgesteuerte On-Demand-Angebote zu einem Gesamtsystem verknüpft werden können sowie welche Potenziale sich dabei durch zukünftige Automatisierung ergeben.
Dazu werden datenbasierte Konzepte für die Gestaltung und den Betrieb zukünftiger Mobilitätssysteme entwickelt und hinsichtlich ihrer Wirkungen analysiert. Im Fokus steht nicht die Optimierung einzelner Angebote, sondern die Weiterentwicklung des gesamten Netzes. Untersucht wird, wie Linienverkehre, Taktungen, Haltepunkte und flexible Bedienformen besser aufeinander abgestimmt werden können, um unterschiedliche Mobilitätsbedarfe zu berücksichtigen. Fokussiert wird dabei die Frage, wie automatisierte On-Demand-Verkehre in bestehende ÖPNV-Systeme integriert werden können.
Unterschiedliche Szenarien werden hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Erreichbarkeit, soziale Teilhabe, Ressourceneinsatz, Wirtschaftlichkeit und Umweltwirkungen untersucht. Dabei werden die Anforderungen unterschiedlicher Raumtypen sowie verschiedener Nutzergruppen berücksichtigt.
Die Forschung zielt darauf ab, mögliche Entwicklungspfade für ein attraktives, nachhaltiges und langfristig tragfähiges ÖPNV-System aufzuzeigen. Damit leistet das Arbeitspaket einen Beitrag zum Verständnis, wie Verkehrssysteme den Anforderungen einer klimaneutralen und sozial ausgewogenen Mobilitätsentwicklung in der Region gerecht werden können.
Team:
Institut für Verkehr und Stadtbauwesen (IVS)
Prof. Dr. Bernhard Friedrich (Institutsleitung; Prinicipal Investigator)
Mayur Patel (Doktorand)
Dr. Lasse Bienzeisler
Räumliche Planung und Entwicklung
Die Lage von Wohn-, Arbeits- und Versorgungsstandorten prägt Verkehrsbedarfe und -ströme, während neue Mobilitätsangebote wiederum Auswirkungen auf die räumliche Entwicklung von Städten, ländlichen Räumen und einzelnen Gemeinden haben. Für eine nachhaltige Transformation ist es daher erforderlich, Mobilitäts- und Siedlungsentwicklung gemeinsam zu betrachten.
Die Region Großraum Braunschweig bietet hierfür besondere Voraussetzungen: Entlang des Stadt-Land-Gradienten vereint sie eine große Vielfalt verschiedener Orte – von Groß- und Mittelstädten über Vororte und Industriestandorte bis hin zu dörflichen Gemeinden. Die unterschiedlichen Anforderungen und Perspektiven dieser Siedlungseinheiten machen die Region zu einem geeigneten Untersuchungsraum für integrierte Ansätze der Mobilitäts- und Raumentwicklung.
Das Arbeitspaket Räumliche Planung und Entwicklung zielt in TRANSFORMPATHS auf die Wechselwirkungen zwischen zukünftigen Mobilitätssystemen und der räumlichen Entwicklung der Region ab. Dabei wird erforscht, wie neue Mobilitätsangebote, Netzstrukturen und Betriebsformen räumliche Entwicklungsprozesse beeinflussen können. Hinzu kommt die Weiterentwicklung von räumlichen Strukturen, sodass nachhaltige Mobilität gestärkt und Verkehrsaufkommen samt negativer Folgen reduziert werden.
Grundlage der Forschung sind georäumliche Analysen sowie szenarienbasierte Modellierungen und Simulationen. Sie ermöglichen es, Mobilitätsmuster, Erreichbarkeiten, Bedarfe und bestehende Barrieren sichtbar zu machen. Dabei werden sowohl potenziell erwünschte Entwicklungen als auch mögliche Zielkonflikte und unerwünschte Effekte in den Blick genommen.
Auf dieser Basis entwickelt TRANSFORMPATHS ein vertieftes Verständnis der Zusammenhänge zwischen Raumstruktur, Mobilität und Ressourcenverbrauch. Dahingehend ist ein zentrales Ergebnis des Arbeitspakets die Entwicklung einer interaktiven Plattform, die unterschiedliche Szenarien, Strategien und Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien vergleichbar macht. Aspekte wie Erreichbarkeit, Effizienz, Klima- und Ressourcenschutz sowie soziale Teilhabe werden dabei analysiert und visualisiert.
Die Plattform dient sowohl als wissenschaftliches Analyseinstrument als auch als Unterstützung für gemeinsame Planungs- und Entscheidungsprozesse. Sie ermöglicht die Bewertung dieser und schafft die Grundlage für die Diskussion von Handlungsoptionen. Damit trägt das Arbeitspaket dazu bei, integrierte Planungsansätze für eine nachhaltige Mobilitäts- und Raumentwicklung im Stadt-Land-Kontext wissenschaftlich zu fundieren.
Team:
ISU – Institute for Sustainable Urbanism
Prof. Dr. Vanessa Miriam Carlow (Institutsleitung; Prinicipal Investigator)
Sandra Rost (Doktorandin)
Alexandra Auer
Olaf Mumm
Mobilitätstechnologien und Infrastrukturen
Automatisierte und vernetzte Fahrzeuge eröffnen neue Möglichkeiten, um öffentliche Mobilitätsangebote flexibler, effizienter und bedarfsgerechter zu gestalten. Insbesondere im Zusammenspiel mit neuen Betriebsformen und Mobilitätskonzepten können sie dazu beitragen, die Erreichbarkeit samt entsprechenden Verkehrsangebote in unterschiedlichen Räumen zu verbessern.
Im Arbeitspaket Mobilitätstechnologien und Infrastrukturen untersucht TRANSFORMPATHS die technologischen Voraussetzungen zukünftiger Mobilitätssysteme. Im Mittelpunkt stehen autonome Fahrzeuge für den Einsatz im öffentlichen Nahverkehr sowie die Frage, welche technischen Lösungen, Funktionen und Infrastrukturen erforderlich sind, um diese in bestehende Verkehrssysteme zu integrieren.
Auf Grundlage von Kontext- und Szenarioanalysen werden technologische Entwicklungen, betriebliche Anforderungen und Erkenntnisse zur Nutzerakzeptanz zusammengeführt. Dabei werden Automatisierungsfunktionen für kooperativ agierende Fahrzeuge sowie deren Interaktion mit Verkehrsteilnehmenden und Umgebung betrachtet. Darüber hinaus wird untersucht, welche Fahrzeug- und Betriebskonzepte geeignet sind, um zukünftige autonome On-Demand-Angebote in Städten und ländlichen Regionen zu unterstützen.
Ziel ist es, wissenschaftliche Grundlagen für skalierbare, langfristig tragfähige, automatisierte Mobilitätslösungen bereitzustellen und mögliche Entwicklungspfade für den Einsatz dieser aufzuzeigen. Damit leistet das Arbeitspaket einen Beitrag zum Verständnis, wie technologische Innovationen nachhaltige Mobilitätssysteme im Stadt-Land-Kontext unterstützen können.
Team:
Institut für Konstruktionstechnik (IK)
Prof. Dr. Thomas Vietor (Institutsleitung; Prinicipal Investigator)
Bjarne Käberich (Doktorand)
Institut für Fahrzeugtechnik (IfF)
Prof. Dr. Roman Henze (Institutsleitung; Prinicipal Investigator)
Henrik Münchhausen (Doktorand)
Julia Sprengel (Doktorandin)
Dr. Maximilian Flormann
Team:
Institute for Comparative Politics and Public Policy (CoPPP)
Prof. Dr. Nils C. Bandelow (Institutsleitung; Prinicipal Investigator)
Falk Sonnenberg (Doktorand)
Maja Knoblich
Die Transformation von Mobilitäts- und Siedlungssystemen ist nicht allein eine technische oder planerische Aufgabe, sondern erfordert die Zusammenarbeit aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie die Abstimmung von Interessen über Verwaltungs- und Organisationsgrenzen hinweg. Insbesondere innovative Mobilitätsangebote wie autonome Verkehrssysteme stellen bestehende Entscheidungsstrukturen vor neue Herausforderungen.
Im Arbeitspaket Governance untersucht TRANSFORMPATHS, welche institutionellen, organisatorischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen erforderlich sind, um nachhaltige Mobilitätslösungen in der Region langfristig zu verankern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Verwaltungsstrukturen gestaltet werden können, um bereichsübergreifende Zusammenarbeit zu ermöglichen, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und auf technologische sowie gesellschaftliche Veränderungen flexibel reagieren zu können.
Die Integration autonomer Mobilitätsangebote erfordert neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Verkehrsunternehmen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. TRANSFORMPATHS untersucht die mögliche Gestaltung dieser Kooperationsstrukturen sowie die Herausforderungen und Konflikte bei deren Entwicklung und Anpassung. Die Region Großraum Braunschweig bietet dabei die Möglichkeit, Governance-Ansätze in einem komplexen Stadt-Land-Kontext mit einer Vielzahl beteiligter Akteurinnen und Akteure zu untersuchen.
Darüber hinaus werden Möglichkeiten der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Einbindung wissenschaftlicher Expertise betrachtet. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie Entscheidungs- und Transformationsprozesse demokratisch, evidenzbasiert und gesellschaftlich getragen werden können.
Damit leistet das Arbeitspaket einen Beitrag zur Erforschung von Governance-Ansätzen, die nachhaltige Mobilitäts- und Raumentwicklungen unterstützen und die Gestaltung zukünftiger Mobilitätssysteme erleichtern können.
Team:
ISU – Institute for Sustainable Urbanism
Prof. Dr. Vanessa Miriam Carlow (Institutsleitung; Prinicipal Investigator)
Alexandra Auer (Doktorandin)
Olaf Mumm
Sandra Rost
Reallabor
Die Entwicklung neuer Mobilitätslösungen erfordert nicht nur wissenschaftliche Analysen und Konzepte, sondern auch Möglichkeiten, deren Wirkungen, Potenziale und Herausforderungen unter realitätsnahen Bedingungen zu untersuchen. Reallabore schaffen hierfür geeignete Test- und Dialogräume, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt sowie neue Ansätze reflektiert, validiert und entwickelt werden können.
Im Arbeitspaket Reallabor werden die in den anderen Arbeitspaketen entwickelten Konzepte, Technologien und Strategien in virtuellen und realen Erprobungsumgebungen untersucht. Sowohl technologische Fragestellungen als auch planerische, organisatorische und gesellschaftliche Aspekte stehen im Fokus. Ziel ist es, die entwickelten Ansätze hinsichtlich ihrer Wirkungen, Akzeptanz und Anschlussfähigkeit zu analysieren und weiterzuentwickeln.
Die Reallabore umfassen unterschiedliche Formate und Anwendungsfelder: Mithilfe von Simulationen sowie Virtual- und Augmented-Reality werden zukünftige Mobilitätsangebote und Szenarien erfahrbar gemacht. Ergänzend werden neue Mobilitätskonzepte und technologische Lösungen in praxisnahen Kontexten untersucht und ihre Integration in bestehende Mobilitätssysteme analysiert. Auch Formate für die Reflektion von Governance- und Planungsprozesse sind Teil der Reallabore.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Forschungsarbeiten ein. Damit bildet das Arbeitspaket eine zentrale Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Konzeptentwicklung und praktischer Validierung von Entwicklungsspfaden in der Region Großraum Braunschweig.
Team:
Regionalverband Großraum Braunschweig (RGB)
Ralf Sygusch (Verbandsdirektor)
Dr. Jonas Lamberg
und weitere Abteilungsleitungen
Wissenschaftskommunikation
Forschungserkenntnisse gewinnen insbesondere dann an Bedeutung, wenn sie auf die Erfahrungen, Perspektiven und Bedarfe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen treffen. Geeignete Kommunikations- und Beteiligungsformate sind relevant, um den kontinuierlichen Dialog zwischen Forschung, Praxis und Öffentlichkeit zu fördern und systematische Einbindung gesellschaftlicher Perspektiven in die Forschung zu ermöglichen.
Im Arbeitspaket Wissenschaftskommunikation entwickelt TRANSFORMPATHS jene Formate, die Forschung, Praxis und Gesellschaft miteinander in den Dialog bringen. Ziel ist es, Bedarfe, Erwartungen und Perspektiven unterschiedlicher Gruppen zu erfassen, diese in die Forschung einzubeziehen und ihre Bedeutung für zukünftige Mobilitäts- und Raumentwicklungen zu untersuchen. Gleichzeitig werden wissenschaftliche Erkenntnisse vielseitig aufbereitet und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Analoge und digitale Veranstaltungen, Dialogformate, Beteiligungsangebote sowie interaktive Anwendungen ermöglichen es, Forschungsergebnisse zu diskutieren, zukünftige Mobilitäts- und Raumkonzepte erlebbar zu machen und Rückmeldungen aus der Region aufzunehmen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Einbindung der gesamten Region – von kleinen Gemeinden bis in die urbanen Zentren.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Szenarienentwicklung, die Reallabore und weitere Forschungsaktivitäten ein und werden wissenschaftlich ausgewertet. Damit trägt das Arbeitspaket nicht nur zum Wissenstransfer bei, sondern liefert zugleich forschungsrelevante Erkenntnisse darüber, wie Kommunikation und Beteiligung gestaltet werden können.
Team:
Haus der Wissenschaft Braunschweig (HdW)
Dr. Jeremias Othman (Geschäftsführer)
Robin Glockenmeier
